Welche Messe Give-Aways kommen bei (Innen-) Architekt:innen richtig gut an?

MesseZielgruppe
Erstellt: 10.05.25 Aktualisiert: 08.03.26 Lesezeit: 4 Minuten Autor:in: Saskja Jagenteufel
Zwei Cappuccinos mit Latte Art auf Holztisch neben einer Espressopackung von Klöber.

Auf einen Blick

  • Klassische Werbegeschenke wie Kugelschreiber und Logo-Tassen landen meist in der Schublade. Über 50 % der Planer:innen empfinden sie als überflüssig.
  • Die beste Marketing-Maßnahme auf Messen ist oft kein Werbegeschenk, sondern ein Erlebnis: Interaktive Produktvorführungen und geführte Touren überzeugen am meisten.
  • Wenn Give-away, dann kreativ: Etwas Essbares, Lippenpflege oder Handcreme kommen auf Messen erstaunlich gut an.
  • Druckprodukte haben nicht ausgedient, müssen aber überraschen: Pop-up-Falttechnik, Samenpapier oder Postkarten-Format statt umfangreicher Broschüren.
  • Die Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb ist oft die stiefmütterlichste im Unternehmen. Wer sie stärkt, verbessert alle Kommunikationsmaterialien.
Inhaltsverzeichnis

    Kugelschreiber, Jutebeutel, Notizblock: Wie viel Marketing-Budget fließt jährlich in Give-aways, die am Ende doch nur in der Büroschublade landen? Wir haben Planer:innen gefragt, was wirklich einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Die Antwort ist überraschend und zeigt, warum die beste Marketing-Maßnahme oft kein Werbegeschenk, sondern ein Erlebnis ist.

    Dieser Artikel ist ein Auszug aus unserem Praxis-Guide »Messe heute, Messe morgen«. Der Guide bündelt Erkenntnisse aus 16 Tiefeninterviews mit Branchenvertreter:innen und einer quantitativen Studie unter über 125 (Innen-) Architekt:innen. Ziel ist es, Bauproduktherstellern konkrete Tipps und Strategien an die Hand zu geben, um Messeauftritte wirksamer zu gestalten.

    Jutebeutel, Kugelschreiber und orangefarbene Tassen zieren wohl jedes (Innen-)Architekturbüro. Aber hinterlassen sie wirklich den bleibenden Eindruck, den Sie sich erhoffen? Die meisten Werbeartikel schreien förmlich »günstig produziert« und werden eher mit Massenware als mit Wertigkeit assoziiert. Doch in welche Marketing-Maßnahmen sollten Sie stattdessen Budget, Zeit und Energie stecken, um bei Ihrer Zielgruppe ein zufriedenes Lächeln herauszukitzeln?

    Die Baustelle in die Halle holen

    Unsere Gespräche im Rahmen des Praxis-Guides »Messe heute, Messe morgen« haben gezeigt, dass viele (Innen-) Architekt:innen es schätzen, wenn Produkte und Materialien in Aktion erlebt werden können. Anschauliche und praxisnahe Produktvorführungen, die reale Anwendungsfälle demonstrieren, sind hoch im Kurs. Wichtig dabei: Die Vorführungen sollten kurz und knackig sein und keine 30 Minuten dauern. Und wenn Sie eine zufriedene Zielgruppe sehen wollen und es die Arbeitssicherheit zulässt: Lassen Sie die Planer:innen selbst mit anfassen, gemäß dem Motto: Was durch die Hand geht, bleibt im Kopf.

    Geführte Touren als Service

    Klar, große Messen bieten schon Führungen an. Aber warum machen Sie es nicht einfach selbst? Gezielte Führungen am Stand und gerne auch über den eigenen hinaus mögen die Planer:innen besonders. Suchen Sie sich Kooperationspartner, mit denen Sie gemeinsam Touren anbieten können. So gönnen Sie den Besuchenden ein individuelles Messeerlebnis, das im Idealfall projektbezogen und nach Schwerpunktthemen strukturiert ist.

    Ist kein Give-away besser als irgendein Give-away?

    Wir sagen es klar: Klassische Werbegeschenke wie gebrandete Kugelschreiber oder mit Logos bedruckte Tassen sind oft rausgeschmissenes Geld. (Innen-)Architekt:innen schätzen vielmehr Dinge, die praktisch oder besonders kreativ sind. Die schlechte Nachricht? Eine eindeutige Antwort auf das optimale Give-away gab es in den Gesprächen nicht, aber ein Tipp fiel mehrfach: Etwas Essbares kommt immer gut an. Natürlich bleibt das Give-away als solches dann nicht lange präsent, aber die Marke könnte durch diesen Genussmoment im Gedächtnis bleiben. Oder wie wäre es mit etwas Lippenpflege, Desinfektionsgel oder Handcreme? Kaum ein Drogerie-Utensil ist auf Messen so hoch im Kurs wie diese drei.

    Klassische Broschüre nein, Origami ja?

    Druckprodukt oder nicht? Die Antwort: Es kommt darauf an. Umfangreiche Werbebroschüren haben meist ausgedient, und die digitale Alternative gewinnt zunehmend an Bedeutung. Doch Drucksachen können immer noch überzeugen, wenn sie es schaffen zu überraschen. Ob mit einer raffinierten Pop-up-Falttechnik, einem Samenpapier zum Einpflanzen oder einer minimalistischen Übersicht der Neuheiten im Postkartenformat. Überlegen Sie sich: Was wäre für Sie als Besucher:in selbst attraktiv und wie viel und vor allem was würden Sie während eines Messetags tatsächlich mit sich herumtragen wollen?

    Pssst, hier folgt ein kleines Kommunikations 1x1

    Liebes Marketing-Team, sprechen Sie regelmäßig mit dem Vertrieb. Sie haben den Draht zur Zielgruppe und wissen, welche Informationen benötigt werden. Und da kommen Sie ins Spiel: Denn gut aufbereiten können die Kolleg:innen es meist nicht.

    Liebes Vertriebs-Team, denken Sie daran, wie wichtig Ihre Rückmeldungen fürs Marketing sind. Sie haben den direkten Draht zur Zielgruppe und das Ohr am Markt und können am besten sagen, welche Kommunikationsmaterialien Sie im Gespräch unterstützen.

    Unsere jahrelange Erfahrung in der Strategieberatung hat uns gezeigt: Die Schnittstelle zwischen Marketing und Vertrieb ist oft eine der stiefmütterlichsten. Sorgen Sie dafür, dass hier kein Informationsverlust entsteht. Es wird sich lohnen.

    Wussten Sie, dass …

    • Über 50 % der Planer:innen Give-aways wie Kugelschreiber und Flyer als überflüssig ansehen
    • Interaktive Produktvorführungen als eine der besten Methoden zur Produktpräsentation bewertet werden
    • Geführte Touren, die auf aktuelle Projekte der Teilnehmenden abgestimmt sind, das Nonplusultra sind

    Kleine Inspiration für Give-aways, die es auf unsere Schreibtische geschafft haben

    Spielkartenset Iconic Architecture Family Card Game in schwarzer Verpackung mit grafischem Architekturmotiv
    Give-aways, die Groß und Klein gleichermaßen begeistern? Das kommt immer gut an. Einige Besucher:innen nehmen kleine Präsente mit, um ihren Kindern zu Hause eine Freude zu machen, und oft gleich in doppelter Ausführung, damit auch Kolleg:innen mit Kindern ein Mitbringsel haben.
    Kleines Modellhaus aus grauem Stein mit rauer Oberfläche, minimalistisch auf schwarzer glänzender Fläche
    Modellhaus aus Abbruchmaterial von StadtBauKultur NRW
    Schwarzer Post-it-Zettel mit handschriftlicher Notiz neben weißem Bleistift auf weißem Schreibtisch
    Schwarzer Post-it-Block mit weißem Polychromos-Stift
    Zwei Cappuccinos mit Latte Art auf Holztisch neben einer Packung Klöber Espresso Ufergold
    Ein im doppelten Sinne geschmackvolles Give-away von Klöber: 250 g Kaffeebohnen aus einer lokalen Rösterei, verpackt mit einer gebrandeten Banderole. Das kam so gut an, dass im Verlauf der Messe sogar ein zweiter Besuch abgestattet wurde, um noch ein Täschchen zu ergattern. Geht durch den Magen, bleibt im Kopf.

    Weitere Insights finden Sie in unserem Praxis-Guide »Messe heute, Messe morgen«.

    Häufige Fragen zum Artikel

    Wie hoch sollte das Budget für Messe Give-aways im Vergleich zu interaktiven Erlebnissen am Stand sein?
    Eine pauschale Zahl gibt es nicht, aber als Faustregel gilt: Investieren Sie mindestens doppelt so viel in Erlebnisse (Produktvorführungen, geführte Touren, Hands-on-Stationen) wie in physische Give-aways. Viele Hersteller geben den Großteil ihres Budgets für Streuartikel aus, die kaum Wirkung zeigen. Prüfen Sie nach jeder Messe, welche Maßnahme tatsächlich zu Folgekontakten geführt hat, und justieren Sie die Verteilung entsprechend.
    Ab welcher Stückzahl lohnen sich kreative Give-aways wie Samenpapier oder gebrandete Kaffeebohnen überhaupt?
    Kreative Give-aways rechnen sich oft schon ab kleinen Auflagen von 200 bis 500 Stück, wenn Sie gezielt nur qualifizierte Kontakte damit beschenken statt sie als Streuartikel zu verteilen. Der Stückpreis liegt zwar höher als bei Kugelschreibern, aber die Wirkung pro Kontakt ist ungleich stärker. Planen Sie lieber weniger Exemplare ein und setzen Sie auf gezielte Vergabe im persönlichen Gespräch.
    Wie binde ich den Vertrieb konkret in die Planung von Messe-Kommunikationsmaterialien ein, ohne dass es im Tagesgeschäft untergeht?
    Etablieren Sie einen festen, kurzen Abstimmungstermin (30 Minuten) etwa acht Wochen vor der Messe, bei dem der Vertrieb die drei häufigsten Fragen und Einwände aus dem letzten Quartal mitbringt. Daraus leiten Sie ab, welche Materialien wirklich gebraucht werden. Nach der Messe folgt ein ebenso kurzer Rücklauf-Termin: Was wurde genutzt, was blieb liegen, was hat gefehlt? Dieser Mini-Prozess kostet kaum Zeit und verhindert, dass Marketing und Vertrieb aneinander vorbeiarbeiten.
    Wie gestalte ich eine interaktive Produktvorführung am Stand, wenn mein Produkt sich nicht spektakulär »vorführen« lässt?
    Auch bei vermeintlich unspektakulären Produkten wie Dämmstoffen, Beschlägen oder Oberflächenbeschichtungen funktioniert das Prinzip »anfassen und vergleichen«. Stellen Sie z. B. Vorher-Nachher-Muster bereit, lassen Sie Besucher:innen Belastungstests selbst durchführen oder zeigen Sie in einem kurzen Live-Vergleich den Unterschied zu Wettbewerbslösungen. Entscheidend ist nicht der Wow-Effekt, sondern dass Planer:innen das Produkt mit eigenen Händen erleben und eine greifbare Erkenntnis mitnehmen.
    Welche Give-aways sollte ich auf keinen Fall mehr einsetzen, auch wenn sie im Einkauf günstig sind?
    Streichen Sie generisch bedruckte Kugelschreiber, Logoblock-Notizblöcke, Standard-Jutebeutel und umfangreiche Hochglanzbroschüren konsequent von der Liste. Diese Artikel werden von über der Hälfte der Planer:innen als überflüssig empfunden und transportieren eher das Signal »Massenware« als Wertigkeit. Das gesparte Budget ist in einem einzigen, gut durchdachten Give-away oder einer besseren Standaktivierung deutlich wirkungsvoller angelegt.