Worauf achtet eine Architektin bei einem Messebesuch?

Messe
Erstellt: 15.11.24 Aktualisiert: 08.03.26 Lesezeit: 5 Minuten
Moderne Sitzmöbel von Softline auf der Orgatec. Bunte Polstermöbel und minimalistische Tische in einem elegant gestalteten Ambiente.

Auf einen Blick

  • Strategische Messevorbereitung: Architektin Martina Rahmfeld plant ihren Besuch vorab mit Notion Board, Hallenplan und gezielter Aussteller:innen-Auswahl, statt sich treiben zu lassen.
  • Standdesign als Türöffner: Ganzheitliche Atmosphäre, durchdachte Konzepte oder bewusste Reduktion entscheiden darüber, ob Architekt:innen überhaupt stehenbleiben.
  • Storytelling statt Produktparade: Am Stand überzeugen echte Geschichten, konkreter Mehrwert und kompetente Beratung. Physische Unterlagen sind unerwünscht, personalisierte Nachbereitung per E-Mail mit Bildmaterial und Produktlinks dagegen hochwillkommen.
  • Neues Orgatec-Konzept überzeugt: Besonders die Multi-Brand-Bereiche und die Auflösung der klassischen Stand-Gang-Struktur haben den Raumeindruck deutlich verbessert.
Inhaltsverzeichnis

    Wie organisierst du vorab die Messe?

    Tatsächlich gehe ich da recht strategisch vor:

    In der Regel erhalte ich im Vorfeld der Messe zahlreiche »Einladungen« und Teaser. Die für mich interessanten Aussteller notiere ich auf einem Board in Notion (Anm. d. Red. Notion ist ein digitales Tool zur Organisation und Verwaltung von Notizen, Projekten und Datenbanken.).

    Vor der Messe gehe ich den Ausstellerkatalog und Hallenplan durch. Dabei markiere ich sowohl Aussteller, die ich gerne wiedersehen möchte, als auch neue, die ich kennenlernen will. All diese kommen auf mein Board, sodass ich hallenweise einen vorläufigen Plan habe – mit Ausstellern, Personen, die ich treffen möchte und möglichen Themen oder Anlässen. Bewusst vereinbare ich hier keine festen Termine.

    Über LinkedIn, persönliche Einladungen oder E-Mails erfahre ich, wer alles zu Besuch sein wird. Mit den Menschen, die ich gerne treffen möchte, vereinbare ich Termine – am liebsten direkt an einem Stand, der guten Kaffee anbietet! 😉 ☕️ (Ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl.)

    Für Vorträge bleibt mir leider kaum Zeit. Stattdessen schaue ich mir vorab das Rahmenprogramm an, besonders die Veranstaltungen an den Abenden oder am Vorabend. Aus den Einladungen wähle ich dann aus, was spannend klingt und Spaß verspricht.

    Wie fühlst du dich beim ersten Betreten?

    Es ist definitiv eine Mischung aus: »Puh, wie soll ich das alles schaffen?«, »Yeah, let’s go!« und großer Vorfreude.

    Was lässt dich an einem Stand verweilen?

    Wenn ich vorab auf ein Produkt aufmerksam wurde und deshalb gezielt einen Stand besuche, lasse ich mich vom Standdesign nicht abschrecken. Habe ich jedoch keinen vorherigen Bezug zum Stand oder kein konkretes Ziel dort, wandert mein Blick rasch über weniger attraktive Stände hinweg. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Bereiche und Aussteller, deren erster Eindruck vielversprechend ist.

    Letztendlich geht es auf der Orgatec primär um die Ausstattung und Umsetzung von Arbeitswelten. Wir alle wissen heute, dass eine gute Arbeitswelt nicht nur Einfluss auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter, sondern auch auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat. Damit also extrem relevant und wichtig ist.

    Um das in meinen Projekten umzusetzen, suche ich Partner, die mich unterstützen und ähnlich ticken. Das kann durch einen entsprechenden Stand gezeigt werden. Habe ich durch den Stand das Gefühl, hier keine Unterstützung in die von mir angestrebte Richtung zu finden, verschwende ich dort auch keine Zeit.

    Das mag manchmal dazu führen, dass ich einen potentiellen Partner ausschließe, jedoch muss ich gerade an solchen Tagen fokussiert und selektiv vorgehen.

    Welche Stände fallen dir sofort auf?

    Meine Aufmerksamkeit können ganz unterschiedliche Stände gewinnen:

    • Stände mit einer herausragenden ganzheitlichen Atmosphäre und einem durchdachten Konzept, bei dem Farbe, Licht, Dekoration und Möbel harmonisch zusammenspielen.
    • Stände, die durch bewusste Reduktion hervorstechen.
    • Sehr volle Stände – man möchte unbedingt herausfinden, was hier so besonders ist.
    Stand von mdd in Halle 4 auf der Orgatec – zwei Besucher:innen betrachten eine Ausstellungsfläche mit modernen Möbeln.
    Foto: Koelnmesse Bilddatenbank

    Was überzeugt dich am Stand?

    Wenn ich einen Stand oder ein Produkt interessant finde, tauche ich gerne tiefer ein. Ich möchte die Geschichte dahinter verstehen und den echten Mehrwert erfahren. Dabei freue ich mich über freundliche Ansprechpartner, die mich auf ihre Reise mitnehmen. Wichtig ist mir, dass die Informationen über das Offensichtliche hinausgehen. Ich möchte nicht von Produkt zu Produkt geführt werden, nur um alles zu sehen. Stattdessen will ich den Mehrwert erfahren und die Geschichten dahinter kennenlernen – auch um zu prüfen, ob ich mich gut beraten und unterstützt fühle.

    Ich lehne physische Unterlagen meist ab, um nicht zu viel mit mir herumtragen zu müssen. Ich freue mich jedoch über die Zusendung von Materialien im Nachgang. Auch hier ist mir das Persönliche wichtig: Wenn wir vereinbaren, dass mir eine Preisliste zugeschickt wird, erwarte ich diese auch – und nicht etwa eine allgemeine E-Mail, in der ich erneut anfragen muss.

    Wie bleiben Marken im Gedächtnis?

    Auch hier setze ich auf meine Notion-Datenbank. Nach jedem Standbesuch oder Gespräch mache ich mir kurze Notizen auf meinem vorbereiteten Board. Ich füge direkt Fotos von Ständen und Produkten hinzu. Im Anschluss ergänze ich meine Produktbibliothek mit den interessantesten Produkten.

    Besonders hilfreich waren tatsächlich die E-Mails, die im Nachgang noch einmal Bilder des (leeren) Messestands enthielten und alle präsentierten Produkte verlinkt oder auf einer Landingpage aufgeführt hatten..

    Hat sich das neue Orgatec-Konzept bewährt?

    Ja. Obwohl ich kaum an den zahlreichen Vorträgen teilgenommen habe, haben mich besonders die Multi-Brand-Bereiche beeindruckt. Die Auflösung der klassischen Stand-Gang-Anordnung verbesserte den Raumeindruck sehr und spiegelt die Entwicklung in unseren Büros wider.

    Insgesamt habe ich ein hohes Maß an Gastfreundschaft seitens der Aussteller erlebt, was mich sehr erfreut und das Erlebnis der Orgatec maßgeblich geprägt hat.

    Zur Person

    Martina Rahmfeld studierte Architektur in Bochum und sammelte langjährige Erfahrung als projektleitende Architektin. Sie begleitete zahlreiche Büros von der Planung bis zur Umsetzung – heute kombiniert sie ihr umfassendes Wissen über die Wirkung von Räumen auf Menschen. Mit wow tomorrow unterstützt sie Unternehmen dabei, digitale, hybride und analoge Arbeitswelten zukunftsfähig zu gestalten. Martina ist Teil unseres hej.build Architekturbeirats.

    Portrait von Martina Rahmfeld
    Foto: Pascal Skwara

    Zur Orgatec

    Die Orgatec präsentierte vom 22. bis 25. Oktober 2024 ein neues Messekonzept mit themenorientierten »Focus Areas« wie #ImpulseContract und #OfficeXperience. Erstmals fand das »Wherever Whenever – Work Culture Festival« des IBA statt. Mit 729 Ausstellern aus 40 Ländern und rund 50.000 Fachbesuchern unterstrich die Leitmesse für Arbeitswelten ihre internationale Bedeutung. Die nächste Orgatec öffnet vom 27. bis 30. Oktober 2026 ihre Tore.

    Häufige Fragen zum Artikel

    Wie sollte die Nachbereitung nach einem Messegespräch mit Architekt:innen konkret aussehen?
    Senden Sie innerhalb weniger Tage eine persönliche E-Mail, die exakt das enthält, was im Gespräch vereinbart wurde, etwa eine Preisliste oder technische Details. Ergänzen Sie Fotos des leeren Messestands sowie direkte Links zu den besprochenen Produkten oder eine eigene Landingpage. Allgemeine Newsletter oder unpersönliche Sammel-Mails wirken kontraproduktiv und signalisieren mangelnde Wertschätzung.
    Welche Rolle spielt das Standdesign, wenn Architekt:innen keinen konkreten Anlass für einen Besuch haben?
    In diesem Fall entscheidet der erste visuelle Eindruck in Sekunden darüber, ob Architekt:innen überhaupt stehenbleiben. Ein ganzheitliches Konzept aus Licht, Farbe und Materialität, das die eigene Kompetenz für Arbeitswelten spürbar macht, ist dabei wirksamer als eine reine Produktpräsentation. Auch bewusste Reduktion kann Aufmerksamkeit erzeugen, solange sie eine klare gestalterische Haltung zeigt.
    Warum sollten Aussteller:innen auf gedruckte Kataloge und Broschüren am Messestand verzichten?
    Architekt:innen lehnen physische Unterlagen häufig ab, weil sie den Messetag belasten und nach der Messe selten systematisch ausgewertet werden. Digitale Materialien, die im Nachgang personalisiert per E-Mail verschickt werden, haben eine deutlich höhere Chance, in die Produktbibliotheken und Planungstools der Architekt:innen aufgenommen zu werden. Investieren Sie das Budget lieber in gute Produktfotografie und eine übersichtliche Landingpage.
    Wie können Aussteller:innen bereits vor der Messe auf dem Radar von Architekt:innen landen?
    Strategisch arbeitende Architekt:innen sichten vorab den Ausstellerkatalog, Hallenplan und eingehende Einladungen, um ihren Besuch zu planen. Gezielte Teaser über LinkedIn, persönliche Einladungen oder E-Mails mit einem konkreten Anlass, etwa einem neuen Produkt oder einem relevanten Projektbezug, erhöhen die Chance, auf die Besuchsliste zu kommen. Wichtig: Der Anlass muss substanziell sein, reine Werbebotschaften werden aussortiert.
    Was erwarten Architekt:innen von Standpersonal im direkten Gespräch?
    Architekt:innen wünschen sich fachlich kompetente Ansprechpartner:innen, die nicht einfach von Produkt zu Produkt führen, sondern den konkreten Mehrwert und die Geschichte hinter einer Lösung vermitteln können. Entscheidend ist, ob das Gespräch das Gefühl erzeugt, einen echten Planungspartner gefunden zu haben, der ähnlich denkt und bei Projekten unterstützen kann. Schulen Sie Ihr Standteam daher auf Beratungskompetenz statt auf reine Produktpräsentation.