Ausschreibungen: So bringen Sie Ihre Produkte ins öffentliche Bauprojekt

Zielgruppe
Erstellt: 15.07.24 Aktualisiert: 08.03.26 Lesezeit: 5 Minuten
Modernes Hochhaus mit skulpturalem Eingang in der Stadt Hannover, im Vordergrund fährt eine Straßenbahn vorbei.

Auf einen Blick

  • Öffentliche Ausschreibungen verlangen strikte Produktneutralität. Architekt:innen müssen spätestens zum Ausschreibungszeitpunkt alle Fabrikatsangaben in neutralisierte Leistungsbeschreibungen überführen.
  • Produktdaten im GAEB-Format (.d81) bereitstellen und in Datenbanken wie ausschreiben.de oder heinze präsent sein. Zusätzlich sollten bereits neutralisierte Ausschreibungstexte auf der eigenen Website verfügbar sein, um Planenden den Bearbeitungsaufwand zu minimieren.
  • Der persönliche Kontakt zu Planungsbüros bleibt entscheidend: Wer zum richtigen Zeitpunkt projektspezifische Zuarbeit leistet, erhöht die Chance, als Planungsfabrikat oder gleichwertig im Leistungsverzeichnis genannt zu werden.
  • Auch ausführende Unternehmen sind ein wichtiger Hebel. Wer veröffentlichte Ausschreibungen im Blick hat und die Sprache neutralisierter Texte versteht, kann lokale Betriebe gezielt mit passenden Produkten beraten.
Inhaltsverzeichnis

    Die Ausschreibung: Für einen Großteil an Architektur- und Ingenieurbüros ist sie Alltag, für öffentliche Auftraggeber:innen ist sie Pflicht, für ausführende Gewerke ein Schlüssel zum Fairplay und für Marken… wirft sie regelmäßig Fragen auf. Wie erhöhe ich als Bauprodukthersteller die Chancen darauf, dass im Idealfall letztlich genau mein Produkt im Leistungsverzeichnis erscheint? Liegt die Crux doch darin, dass Planende zwar durchaus eine konkrete Vorstellung vom geeigneten Produkt haben können, sich alle Beteiligten aufgrund von öffentlicher Finanzierung jedoch an klare Vorgaben halten müssen. Ausgaben können schlicht nicht aus dem Bauch heraus oder aus Sympathie zum Bauunternehmen oder einer Marke getätigt werden. Und so sind Architekt:innen wie Bauingenieur:innen – und mit ihnen die öffentlichen Bauherr:innen – im Sinne der Transparenz zur strikten Neutralität gezwungen.

    Nun wären wir nicht hej.build, könnten wir nicht trotzdem einige gute Ratschläge vermitteln. Im Rahmen unseres neuen Webinar-Formates »Industry Update«, welches wir Anfang Mai gelauncht haben, baten wir die ausschreibungserfahrene Architektin Christine Klug von der assmann gruppe in Düsseldorf, unseren Teilnehmenden ein paar wertvolle Tipps an die Hand zu geben. Denn wirkungsvoll unterstützen können Marketing- und Vertriebsteams die Planenden allemal.

    Nachfolgend fassen wir neben ein paar Basisfakten zum Thema Bauausschreibung noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse aus unserer Veranstaltung zusammen.

    Was genau passiert eigentlich bei einer öffentlichen Ausschreibung? Wofür ist sie gut?

    Anhand einer Bauausschreibung nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) werden Bauunternehmen und Handwerker:innen öffentlich (also in Tageszeitungen, Online-Portalen oder Amtsblättern) aufgefordert, Angebote für erforderliche Bauleistungen (Lieferungen) im Rahmen eines Bauvorhabens abzugeben. Ausgeschrieben werden muss, wenn Bund, Länder oder Kommunen bauen. Auch Stiftungen des öffentlichen Rechts oder Bildungseinrichtungen sind zur Ausschreibung verpflichtet. Mithilfe von Ausschreibungen wird die Vergabe von Bauaufträgen gemäß projektspezifischer Anforderungen garantiert. Erarbeitet werden Ausschreibungen auf Basis der Ausführungsplanungen – in der Regel von Architekt:innen, daneben ebenso von Bauingenieur:innen. Die Anwendung der VOB-Verfahren ist für sie dabei verbindlich.

    Aus dem Pool der abgegebenen Angebote…

    • prüft die öffentliche Vergabestelle die Unterlagen der teilnehmenden Unternehmen, 
    • bewertet die angebotenen Leistungen,
    • und entscheidet letztendlich nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

    Und was ist mit privaten Bauherr:innen?

    Auch privat bzw. durch gewerbliche Bauherr:innen kann ausgeschrieben werden. Die VOB dient dann, wenn ausdrücklich vereinbart, als verbindliche Vertragsbasis. Andernfalls gelten die Bestimmungen nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).

    Welche Tools nutzen Planende bei der Erarbeitung von Ausschreibungen?

    Prinzipiell werden Ausschreibungen im Bauwesen mit Software-Unterstützung erstellt. Sogenannte AVA-Programme bieten den praktischen Vorteil, dass die mit ihrer Hilfe erarbeiteten Leistungsverzeichnisse sich ebenso zum Abgleich späterer Abrechnungen mit den Angeboten nutzen lassen.

    Für Bauprodukthersteller ist es entsprechend ratsam…

    • Produktdaten in einem für die Ausschreibungssoftware passenden Dateiformat (GAEB .d81) zur Verfügung zu stellen,
    • diese aufgrund der großen Menge an benötigten Leistungen nicht hinter einer Login-Schranke zu verbergen,
    • mit ihren Produktdaten in Datenbanken wie auschreiben.de, heinze-ausschreibungstexte.de und sirados.de vertreten zu sein.

    Darüber hinaus greifen Planende natürlich auch auf eigene Datenbanken zurück, was zusätzlich viel und regelmäßigen Pflege- und Aktualisierungsaufwand erfordert. Da Architekt:innen hierfür immer wieder in Herstellertexte schauen, ist es sinnvoll, auf Websites und in Broschüren nicht allein marketingorientierte Produkttexte unterzubringen, sondern ebenso bereits neutralisierte Texte zur Verfügung zu stellen – das reduziert den Bearbeitungsaufwand auf Seiten der Planenden enorm. Und Sie als Produktanbietender bekommen doch eine Möglichkeit, ihre eigene Formulierung im Ausschreibungstext zu platzieren.

    Weiterhin ist es ratsam zu wissen, was genau auf der eigenen Website gesucht wird, gegebenenfalls die Klicktiefe zu den benötigten Informationen auf den Prüfstand zu stellen. Zwei bis drei Klicks weniger oder mehr bis zum Ziel können mitunter bereits über die Gunst oder Ungunst der Planenden entscheiden.

    Übrigens: Auch in öffentlichen Projekten können Architekt:innen und Bauherr:innen im Planungszeitraum noch mit konkreten Wunschprodukten planen. Allerdings müssen spätestens zum Zeitpunkt der Ausschreibung alle Angaben neutralisiert werden.

    Was bedeutet in diesem Zusammenhang eigentlich »neutral«?

    Am besten lässt sich das anhand einer Gegenüberstellung typischer Beispiele differenzieren, welche uns von der Referentin des ersten »Industry Update«, Christiane Klug, zur Verfügung gestellt wurde:

    produktscharfproduktneutral
    Rigips-Platte 👉Trockenbauplatte
    Isokorb 👉Tragende Wärmedämmelemente zur Minimierung von Wärmebrücken
    ACO Drain (Rinne) 👉Entwässerungsrinne
    Styropor 👉Expandiertes Polystyrol
    OWA-Decke 👉Abgehängte Rasterdecke
    Halfenschiene 👉Schiene für justierbare Befestigung von Anschlusskonstruktionen

    Was lässt sich sonst noch tun, um dem eigenen Portfolio eine einigermaßen zielsichere Position in Ausschreibungen zu geben?

    Unabdingbar ist der persönliche Kontakt zu den planenden Büros. Die Kunst besteht allerdings darin, als Vertriebsperson/ Berater:in zum richtigen Zeitpunkt vor Ort oder virtuell erreichbar zu sein und den Planenden gegebenenfalls projektspezifische Zuarbeiten anbieten zu können. Und: Haben Sie einen guten persönlichen Kontakt zu den Ausschreibenden, können diese auch ihre Bauherr:innen präziser beraten und möglicherweise das ein oder andere konkrete Produkt aus Ihrem Sortiment benennen.

    Denken Sie bei der Vertriebsarbeit auch an ausführende Unternehmen. Haben Sie möglichst viele der aktuell veröffentlichten Ausschreibungen im Blick, können Sie lokale Betriebe gezielt beraten und sich im aktiven Vertrieb mit Ihren Produkten empfehlen. Hierfür ist es selbstverständlich förderlich, die Sprache der neutralisierten Ausschreibungstexte zu kennen und zu verstehen, wann die eigenen Produkte gemeint und für die Bauaufgabe bestens geeignet sind.

    Zum Abschluss drei kompakte Fragen und Antworten:

    Einige Hersteller bieten Ausschreibungs-Services an, mit deren Unterstützung mitunter Teilbereiche der Leistungsverzeichnisse erstellt werden. Wann sind diese Services relevant und wie intensiv werden sie genutzt?

    Bei komplexeren Bauteilen, etwa bei einer Fassadenkonstruktion, Verblendern, Türen oder Schließanlagen mit sehr spezifischen Anforderungen ist Support durchaus gefragt.

    Wonach entscheidet sich, ob in einer Ausschreibung ein »Planungsfabrikat oder gleichswertig« erwähnt wird oder nicht?

    Vereinzelt kann ergänzend zu neutralem Ausschreibungstext auch das Planungsfabrikat benannt sein. Ob das geschieht, darüber entscheiden die Vergabestellen im Einzelnen, nicht die Ausschreibungsvorbereitenden im Planungsbüro.

    Wann darf bei öffentlichen Projekten »produktscharf« ausgeschrieben werden?

    Wenn ein:e Bauherr:in/ Kommune aus praktischen Gründen ein bestimmtes Fabrikat wünscht – etwa wenn bei einer Gebäudeerweiterungen/ im Bestand Kontinuität gewünscht ist, lassen sich Positionen auch produktscharf ausschreiben.

    So attraktiv die Einbindung in öffentliche Bauvorhaben ist, so herausfordernd – das ist uns klar – bleibt es, im Kontext von Ausschreibungen die Schnittstellen zwischen den Architekturbüros, Bauherr:innen und ausführenden Betrieben auf den Punkt zu bedienen.

    Können wir Sie dabei unterstützen? Dann nehmen Sie jederzeit gerne Kontakt mit uns auf.

    Häufige Fragen zum Artikel

    Wie formuliere ich einen neutralisierten Ausschreibungstext, der trotzdem auf mein Produkt zugeschnitten ist?
    Beschreiben Sie die technischen Alleinstellungsmerkmale Ihres Produkts so präzise wie möglich, ohne den Markennamen zu nennen. Je spezifischer die Kombination aus Leistungsparametern, Materialangaben und Normverweisen ist, desto schwieriger wird es für Wettbewerber, die Gleichwertigkeit nachzuweisen. Lassen Sie diese Texte idealerweise von jemandem mit Ausschreibungserfahrung gegenlesen, um sicherzustellen, dass sie formal korrekt und vergaberechtlich sauber sind.
    Wann im Projektverlauf ist der beste Zeitpunkt, um Planungsbüros aktiv anzusprechen?
    Der wirksamste Zeitpunkt liegt in den Leistungsphasen 3 bis 5 (Entwurfs- bis Ausführungsplanung), wenn Produkte konkretisiert, aber noch nicht endgültig festgelegt sind. Wer erst reagiert, wenn die Ausschreibung bereits veröffentlicht ist, kommt in der Regel zu spät. Nutzen Sie Projektdatenbanken und Bauvoranfragen, um relevante Projekte frühzeitig zu identifizieren, und bieten Sie dann gezielt projektspezifische Unterstützung an.
    Welche Rolle spielen ausführende Unternehmen als Hebel für die eigene Produktplatzierung?
    Ausführende Betriebe sind diejenigen, die auf veröffentlichte Ausschreibungen Angebote abgeben und dabei konkrete Produkte benennen müssen. Wenn Sie lokale Fachbetriebe regelmäßig mit technischen Informationen, Verlegehinweisen und Kalkulationsdaten versorgen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese bei der Angebotserstellung auf Ihr Sortiment zurückgreifen. Besonders wirksam ist das bei Produkten, deren Gleichwertigkeit zu einem ausgeschriebenen Leistungsprofil Sie nachvollziehbar belegen können.
    Reicht es, Ausschreibungstexte im GAEB-Format auf der eigenen Website bereitzustellen, oder brauche ich zusätzlich Plattformen wie ausschreiben.de?
    Beides ist notwendig. Die eigene Website ist wichtig für Planer:innen, die Ihr Unternehmen bereits kennen und gezielt nach Daten suchen. Datenbanken wie ausschreiben.de oder heinze erreichen dagegen Planende, die produktneutral nach Leistungspositionen recherchieren und Ihr Unternehmen möglicherweise noch gar nicht auf dem Schirm haben. Wer nur einen der beiden Kanäle bespielt, verschenkt Reichweite in einer entscheidenden Projektphase.
    Wie kann ich intern prüfen, ob unsere digitalen Produktdaten für Ausschreibende tatsächlich gut auffindbar und nutzbar sind?
    Testen Sie den Weg von der Startseite bis zum fertigen GAEB-Download aus der Perspektive einer Architekt:in unter Zeitdruck: Zählen Sie die Klicks, prüfen Sie, ob ein Login erforderlich ist, und messen Sie, ob die Dateien fehlerfrei in gängige AVA-Programme wie ORCA oder California importiert werden können. Ergänzend lohnt sich ein Blick in die Website-Analyse, um zu sehen, welche Produktseiten häufig aufgerufen, aber schnell wieder verlassen werden. Das zeigt Ihnen, wo Planer:innen nicht finden, was sie brauchen.