Leitfaden: Architekt:innen verstehen & erreichen

Zielgruppe
Erstellt: 10.12.23 Aktualisiert: 08.03.26 Lesezeit: 7 Minuten
Eine schwarz gekleidete Person steht an einem Rednerpult.

Auf einen Blick

  • Subzielgruppen definieren: Architekt:innen sind keine homogene Gruppe, sondern arbeiten als Spezialist:innen in unterschiedlichen Rollen und Leistungsphasen. Kommunikation muss gezielt auf die richtigen Personen zum richtigen Zeitpunkt zugeschnitten sein.
  • Mehrwert statt Werbung: Architekt:innen erwarten Expert:innenwissen und echte Lösungen für bauliche Herausforderungen, keine Slogans, Imagefilme oder Produktbroschüren.
  • Sinnliche Überzeugung: Architekt:innen sind detailverliebt und materialaffin. Materialproben, ästhetische Präsentation und haptische Erlebnisse, etwa auf Messen, sind entscheidende Türöffner.
  • Partnerschaft auf Augenhöhe: Langfristige Netzwerke entstehen durch nachhaltigen Wissensaustausch zwischen Bauprodukthersteller:innen und Planenden, nicht durch kurzfristige Verkaufsaktionen.
Inhaltsverzeichnis

    Fettnäpfchen und Volltreffer

    Oh, no. 😩

    • Kommunikation, nur um der Kommunikation willen.
    • Durch Insellösungen das Leben der Planenden unnötig erschweren.
    • Zu denken, Architekt:innen wüssten alles aus dem Effeff.
    • Mit Slogangs, Werbebroschüren und Image-Filmen überschütten.
    • Billige und minderwertige Merchandises.

    Hell, yes. 🤩

    • Ästhetisches Auge der Architekt:innen beglücken.
    • (Un)Sichtbar sein und den besten Service bieten.
    • Auf Füllinformationen verzichten und zum Punkt kommen.
    • Trend-Themen, ja. Mainstream, nein.
    • Gebündelte Informationen liefern und Allianzen bilden.

    Klischees vs Zielgruppe

    Klischees gibt es für jeden Berufszweig. Aber kaum jemand hört gerne, dass eines genau auf sie oder ihn passt. Und das zu Recht, denn nicht nur Architekt:innen trinken gerne guten Kaffee im schwarzen Rollkragenpulli und nicht nur Hacker sitzen im dunklen Keller und starren auf vier Bildschirme gleichzeitig. Deshalb ist es für zielgruppengerechte Kommunikation ganz entscheidend zu wissen, welche Architekt:innen Sie zu welchem Zeitpunkt in deren Arbeit erreichen möchten, um ihnen das Leben wirklich zu erleichtern. In welchen Strukturen arbeiten sie? Woher nehmen sie ihre Informationen und bleiben auf aktuellem Stand? Im besten Fall: Wie leben sie selbst? Oder welchen Marken vertrauen sie privat?

    Erfahrung aus erster hej.hand

    Da die meisten von uns bei hej.build Architekt:innen sind oder Architektur studiert haben, wissen wir aus eigener Erfahrung, wovon wir sprechen. Auf dieser Grundlage bauen wir unsere gesamten Kommunikationsempfehlungen auf – von und für Architekt:innen. Es geht uns um einen nachhaltigen Wissensaustausch zwischen denjenigen, die produzieren und denjenigen, die planen. Denn wenn diese beiden Berufszweige miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten, sieht man es den Ergebnissen an: Im besten Fall sind die entwickelten Produkte konkrete Antworten auf bauliche Herausforderungen.

    Vom Baumeister zur Spezialist:in

    Wenn vor langer Zeit eine Kathedrale gebaut wurde, gab es einen Baumeister, der die Baustelle leitete: Jemanden, der die Vorstellungskraft für das Ergebnis hatte und den Handwerker:innen sagte, wann was zu tun war. In modern strukturierten Architekturbüros gibt es zu jedem Fachthema mindestens eine zuständige Mitarbeiter:in – oft sogar ein ganzes Team, weil die Anforderungen so vielfältig und jeweils tiefgreifend sind. Je größer ein Büro ist, desto mehr Spezialist:innen sitzen unter einem Dach:

    • Entwerfer:innen, Modellbauer:innen, Planer:innen, Projektleiter:in, Bauleiter:innen, Lichtplaner:innen, etc.
    • Spezialist:innen für die Themen Building Information Modelling (BIM), Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Öffentlichkeitsarbeit, Materialeinsatz, Visualisierung, etc.

    Wie jedes Unternehmen aus der Baustoffindustrie, besteht auch jedes Architekturbüro aus unterschiedlichen Expert:innen – wer soll also soll genau mit dieser einen Kommunikationsmaßnahme angesprochen werden?

    Unser Tipp 💡

    Subzielgruppen oder Cluster helfen bei der genauen Definition der Personen, die erreicht werden sollen. Und fragen Sie bestehende gute Kontakte aus Ihrem Netzwerk nach deren Meinung. Immer noch ratlos? Dann bieten auch wir Zielgruppen-Panels an, in denen wir konkreten Fragestellungen gezielt auf den Grund gehen.

    Das richtige Timing für den besten Service

    Wie laufen Entscheidungsprozesse in Architekturbüros ab? Wann ist für Bauprodukthersteller der richtige Zeitpunkt, in ein Projekt einzusteigen? Architekt:innen arbeiten in klar definierten Leistungsphasen (LPH) nach der Honorarordnung für Architekt:innen und Ingenieur:innen (HOAI), die aufeinander aufbauen und unter anderem folgende Punkte beinhalten:

    LPH 1: Grundlagenermittlung

    • Klären der Aufgabenstellung und Planungsmethode
    • Beratung zum gesamten Leistungsbedarf

    LPH 2: Vorplanung

    • Vorplanung unter Berücksichtigung der wesentlichen städtebaulichen, gestalterischen, wirtschaftlichen, technischen und ökologischen Zusammenhänge und Vorgaben
    • Erste Kostenschätzung, Terminplanung und Mengenermittlung

    LPH 3: Entwurfsplanung

    • Entwurfsplanung üblicherweise im Maßstab 1:100 als Fortführung des Vorentwurfs
    • Objektbeschreibung inklusive Materialitäten
    • Verhandlung der Genehmigungsfähigkeit
    • Kostenberechnung

    LPH 4: Genehmigungsplanung

    • Erarbeiten und Zusammenstellen der notwendigen Vorlagen und Nachweise für den Bauantrag und ggf. anderer erforderlicher Genehmigungen

    LPH 5: Ausführungsplanung

    • Grundlage für die Ausführung des Gebäudes inklusive aller für den Bau notwendigen Einzelangaben, Bauteilaufbauten und Details
    • Konstruktionsplanung unter Einbeziehung der Planung aller fachlich am Bau Beteiligten

    LPH 6: Vorbereitung der Vergabe

    • Erstellen der Leistungsbeschreibungen und Leistungsverzeichnisse nach Leistungsbereichen (Gewerken)
    • Erstellen des Vergabeterminplans
    • Kostenberechnung

    LPH 7: Mitwirkung der Vergabe

    • Koordinieren der Vergaben der Fachplaner
    • Einholen von Angeboten, Prüfen der Angebote, Bietergespräche und Erstellen der Vergabevorschläge
    • Mitwirken bei der Auftragserteilung

    LPH 8: Objektüberwachung

    • Bauleitung = Überwachen der Ausführung
    • Dokumentation des Bauablaufs, Überwachen des Terminplans, Organisation und Abnahme der Bauleistungen
    • Kostenkontrolle und Rechnungsprüfung

    LPH 9: Objektbetreuung und Dokumentation

    • Fachliche Bewertung von Mängeln im Rahmen von Gewährleistungsansprüchen
    • Objektbegehungen zur Mängelfeststellung vor Ablauf der Verjährungsfristen

    Zu welchem Zeitpunkt erscheint Ihnen die Ansprache richtig? Ab wann würden Sie die Architekt:innen gerne mit Rat und Tat begleiten? Aus unserer Erfahrung heraus ist es für das Ergebnis immer besser, je früher alle Beteiligten mit einbezogen werden. Das wiederum ist oft Wunschdenken, weil diese Kommunikation enorm aufwändig ist und über das Architekturbüro laufen muss. Wie können Sie also auf sich aufmerksam machen, ohne zu nerven?

    Unser Tipp 💡

    Indem Sie Ihr Expert:innenwissen, eine hilfreiche Zusammenarbeit und keine Produktwerbung anbieten. So entstehen langfristig Netzwerke, die von beiden Seiten geschätzt werden – manchmal sogar Freundschaften.

    Kreativität und Fachwissen

    Was Architekt:innen eint, sind Kreativität und Fachwissen. Auch wenn heute mit 3D-Programmen gearbeitet wird, bleibt die Vorstellungskraft für Ästhetik und kommende Abläufe eine Stärke der Planer:innen. Vor allem sind es die Bedürfnisse, Gewohnheiten und Vorlieben der Bauherr:innen, für die Architekt:innen ein feines Gespür haben.

    Architekt:innen sind Entdecker:innen: Sie wollen fühlen, tasten, hören und auch schmecken, wenn es hilfreich ist. Oberflächen, Strukturen und Materialien mit (fast) allen Sinnen zu erleben, ist eine Eigenschaft, die viele Architekt:innen aus ihren jüngsten Jahren in Erinnerung haben. Im Beruf spiegeln sich solche Eigenheiten in Detailverliebtheit wider: Was sich für die Nutzer:innen einfach stimmig und gut anfühlt, ist von den Architekt:innen gezielt geplant und kombiniert. Materialproben finden Sie in jedem Planungsbüro – nutzen Sie diese Tatsache für sich und lassen Sie Ihre Produkte erst einmal bei den Architekt:innen für sich sprechen. Wenn Sie dann für eine Beratung angefragt werden, haben Sie es geschafft, denn das ist Ihr Kapital, da sind Sie die Expert:in.

    Medienverhalten von Architekt:innen

    Wenn Architekt:innen von etwas überzeugt sind, bleiben sie ihren Überzeugungen häufig treu. Das gilt für ihre Haltung, für ihre entwerferische Handschrift, für ihre Vorlieben für ein Material, aber auch für Marken und Produkte. Die Auswahl der Möglichkeiten ist so groß, dass Architekt:innen manchmal froh sind, auf Bewährtes zurückgreifen zu können.

    So ist es auch mit den Medien und den Informationsquellen. Da Architekt:innen von allem etwas Ahnung haben müssen, sind sie häufig sehr belesene und vielseitig interessierte Personen. Architektur steht niemals für sich alleine und so ist es auch mit den Menschen, die diese entworfen haben. Sie bewegen sich immer in der Gesellschaft, nicht am Rand. Sie informieren sich wie wir alle – über Tages- und Wochenzeitschriften, Social Media, etc.; darüber hinaus selbstverständlich über die bekannten Fachzeitschriften. Und wenn die Zeit reicht, sogar in der haptischen Print-Version. Aber Zeit ist kostbar und zwischendurch sind Newsletter einfach händelbarer - sofern sie einen wirklichen Mehrwert bieten und nicht nur verschickt werden, weil es halt alle machen. Oder sie nehmen sich so richtig Zeit und besuchen eine Messe – wo wir schon beim nächsten Punkt sind.

    Wo treffen Sie auf Architekt:innen – und wo nicht?

    »Nicht, dass wir beim Abendessen immer über Architektur gesprochen haben, aber wenn wir auf Reisen waren, haben wir natürlich Städte und Gebäude besichtigt, Museen besucht … Insofern war das schon ein integraler Bestandteil unseres Lebens. Wir wurden einfach früh für solche Themen sensibilisiert.« – Martin Henn

    Neben den täglichen Informationsflüssen sind Inspirationsquellen für Architekt:innen wie H2O – ohne sie geht es nicht. Schon im Studium sind Exkursionen und Reisen die größte Inspiration. Fremdes zu entdecken und dadurch das Eigene zu erkennen, gehört zu den schönsten und einflussreichsten Erlebnissen, denen sich Architekt:innen mit allen Sinnen und voller Genuss widmen.

    Die zweite Quelle sind Messen, auf denen sich Architekt:innen treiben lassen, nach neuen Eindrücken suchen, Kontakte knüpfen und auffrischen – ebenso wie Sie. Wer sich an solchen Tagen gestalterisch und inhaltlich interessant präsentiert, bei dem stehen die Architekt:innen Schlange. Aber auch hier gilt: Business is People’s Business. Wählen Sie weise, wer Ihren Stand repräsentiert und wen Sie in der Beratung auf die Architekt:innen loslassen.

    Fazit

    Architekt:innen verstehen und erreichen – das ist keine Frage des Zufalls, sondern das Ergebnis gezielter, respektvoller Kommunikation. Wer die Vielfalt dieser Berufsgruppe erkennt, ihre Arbeitsweisen versteht und ihren Bedürfnissen mit echtem Mehrwert begegnet, legt den Grundstein für langfristige, fruchtbare Beziehungen. Ob in den frühen Leistungsphasen oder auf inspirierenden Messen: Der Schlüssel liegt darin, nicht nur zu werben, sondern zu unterstützen. Lassen Sie Ihre Expertise für sich sprechen, bieten Sie Lösungen für reale Herausforderungen und bleiben Sie offen für den kreativen Austausch. Denn am Ende geht es nicht um Klischees oder kurzfristige Verkaufserfolge, sondern um eine Partnerschaft auf Augenhöhe, die innovative Projekte und zukunftsweisende Architektur ermöglicht. In diesem Sinne: Seien Sie mehr als nur Lieferant – werden Sie zum geschätzten Wegbegleiter in der faszinierenden Welt der Architektur.

    In eigener Sache: Wenn Sie maßgeschneiderte Zielgruppen-Insights gewinnen wollen, helfen wir Ihnen gerne weiter. Wir bieten spezielle Beratungsleistungen rund um die Ansprache von Architekt:innen. Vielleicht ist auch unser Architekturbeirat für Sie interessant. Über diesen haben Sie Zugang zu führenden Köpfen aus Architektur und Innenarchitektur. Sprechen Sie uns an. Wir freuen uns auf Ihren Kontakt.

    Häufige Fragen zum Artikel

    In welcher Leistungsphase sollten Bauprodukthersteller idealerweise den Erstkontakt zu Architekt:innen suchen?
    Je früher, desto besser. Besonders in den Leistungsphasen 2 und 3 (Vor- und Entwurfsplanung) werden grundlegende Material- und Produktentscheidungen getroffen. Wer hier bereits als kompetente:r Ansprechpartner:in präsent ist, hat die besten Chancen, in die Planung einbezogen zu werden. Voraussetzung: Sie bieten echtes Fachwissen an, keine Verkaufsgespräche.
    Wie finde ich heraus, welche Subzielgruppe innerhalb eines Architekturbüros für mein Produkt relevant ist?
    Analysieren Sie zunächst, in welcher Leistungsphase Ihr Produkt entscheidungsrelevant wird, und leiten Sie daraus die zuständige Rolle ab. Eine BIM-Lösung richtet sich an andere Personen als eine neue Fassadenoberfläche. Nutzen Sie bestehende Kontakte in Büros, um interne Entscheidungswege zu verstehen, oder arbeiten Sie mit Zielgruppen-Panels, die gezielt Einblicke in Bürostrukturen und Zuständigkeiten liefern.
    Welche Content-Formate funktionieren bei Architekt:innen besser als klassische Produktbroschüren?
    Technische Detaillösungen, Verarbeitungshinweise, Referenzprojekte mit echten Planungsdetails und Materialproben kommen deutlich besser an. Architekt:innen suchen Inhalte, die konkrete bauliche Herausforderungen lösen und sich direkt in ihre Planung integrieren lassen. Kurz: Alles, was ihnen Arbeit abnimmt, statt zusätzliche Arbeit zu machen.
    Wie schaffe ich es, als Bauprodukthersteller langfristige Beziehungen zu Planenden aufzubauen, statt nur projektbezogen wahrgenommen zu werden?
    Der Schlüssel liegt im kontinuierlichen Wissensaustausch auf Augenhöhe. Bieten Sie regelmäßig fachliche Mehrwerte an: etwa durch Planungsunterstützung, Weiterbildungsformate oder gemeinsame Veranstaltungen. Wichtig ist Verlässlichkeit über einzelne Projekte hinaus. Architekt:innen merken sich, wer in kritischen Momenten schnell und kompetent geholfen hat, und greifen beim nächsten Projekt wieder darauf zurück.
    Wie setze ich Messen und haptische Erlebnisse gezielt ein, um Architekt:innen zu überzeugen?
    Architekt:innen sind materialaffin und detailverliebt. Setzen Sie auf hochwertige Materialproben, ästhetisch durchdachte Standkonzepte und die Möglichkeit, Oberflächen, Haptik und Verarbeitung direkt zu erleben. Verzichten Sie auf Give-aways minderer Qualität und investieren Sie stattdessen in Bemusterungen oder Detailmodelle, die Planende tatsächlich in ihren Arbeitsalltag mitnehmen können.